Abschied vom Rügener Revier

von Rainer Rafalsky am 17.08.2020 / in Allgemein

Was für ein Morgen, um 4.30 Uhr klingelt mein Wecker. Ich habe die Nacht auf einem Ankerplatz kurz vor der Stralsunder Brücke (Ziegelgrabenbrücke) verbracht. Ein langer Segeltag liegt vor mir. Ich will heute bis Rostock kommen. so liegen circa 60 Seemeilen vor mir. Blauer Himmel und Windstärke vier aus Osten ist das perfekte Wetter. Es ist der Abschied von diesem Revier rund um Rügen und Usedom das sieben Jahre lang meine Segelheimat war. In dieser wunderschönen Insel und Boddenwelt findet man oft noch kleine Häfen, urige Hafenmeister und wunderbare Natur. Nun bin ich hier auf dem Strelasund bei halben Wind und purer Sonne unterwegs. Zwischen vier und fünf Knoten Fahrt mach das Schiff, ich genieße das leise plätschern und glucksen des Wassers am Bug. Das ist sehr beruhgined und meine Segelmeditation. Die letzten Wochen bin ich noch einmal rund um Rügen gesegelt und habe mit einer lieben Freundin zusammen natürlich reichlich von der Insel Hiddensee getrunken. Dazu schreibe ich aber noch einen extra Blogeintrag.

Was macht ich so an einem Segeltag? Bis es an Barhöft vorbei geht und raus aus der engen Durchfahrt zwischen der Südspitze von Hiddense und der Vogel und Naturschutzinsel Bock sind reichlich Bojen zu beachten. Die erste heut4 Morgen habe ich auch schlaftrunkend tochiert. Später reicht die Zeit zwischen den Bojen um ein Müsli zu machen und Kaffee zu kochen.

Rund um den Bock sind die schönsten Wasserwege der Reviers zu bestaunen. Hier meandert die Fahrrinne aus dem Bodden hinaus auf die Ostsee. An Steuerbord geht es dicht am Windwatt vorbei, das noch zum äussersten südlichen Zipfel von Hiddensee gehört, und an Backbord stehen die knorrigen windzerzausten Bäume vom Bock. Schwärme von Wildgänse, und Schwänen ziehen vorbei, trainieren den Formationsflug. Das ist alles vom Boot aus zum greifen Nah.

Um 9 Uhr dann gehts Kurs West, Richtung Rostock bis 11 Uhr ist der Wind flau bis gar nicht vorhanden. In den 2 Stunden komme ich 3 nautische Meilen voran. Dafür schmeisse ich eine Leine hinten aus dem Boot raus und gehe schwimmen. 0.7 Knoten zeigt das GPS als Bootsgeschwindigkeit an. So schnell kann ich auch schwimmen. Eine gute viertel Stunde schwimme ich hinter LYAN her, gesichert mit einer Leine falls doch mal ein kleiner Windstoß kommt. Kniebeugen, Mediation, Atemyoga, alles gut geeignet um mich körperlich und Mental fit und wach zu halten.

Auch nutze ich die Flaute um bei dieser ruhigen Wasser mein Mittagessen zu kochen.
Flaute! Ich habe mir vorgenommen sie auszuhalten, sie als Geschenk zu sehen. Ich wiederstehe der Versuchung den knatternden Diesel anzuwerfen.  Segeln heisst sich den Elementen hinzugeben. Und zur Hingabe gehört die Langsamkeit absolut dazu.

Da ich per Zug am Sonntage angereisst bin gibt es zu Essen an Bord nur was zu den Grundnahrungsmitteln gehört. Zwiebeln, Rote Linsen Trockenfrüchte, Nüsse, Haferflocken, Hirse, Knäckebrot, Kindneybohnen, Honig, Dosentomaten und Tomatenmark und viele gute Gewürze sind die eiserne Reserve. Knoblauch und ein Tüte Mandelmilch finde ich auch noch. Also gibt es aus roten Linsen, Zwiebeln, Knoblauch und Olivenöt eine indische Linsensuppe. Als sie Fertig ist setzt der Wind ein. Das nenne ich perfektes Timing. Ich futtere und das Schiff läuft wieder mit ca 4 Knoten richtung Rostock. Damit ist das Schiff so schnell wie ein guter Wanderer. Nur ausdauernder und brauch keine Pausen. Notfalls geht es auch die Nacht durch. ich rechne also mit einer Ankunftszeit zwischen 20 und 24 Uhr. Ankern an der Küste wäre auch möglich, mal sehen.

Ich genieße die Zeit allein auf dem Boot. es ist gerade eine Zwischenzeit für mich. der Abschied von Angermünde wo viele nette und lieb gewonnene Menschen zurückbleiben und ich aber auch den Ärger, das Desinteresse, die Angst vor neuem und Veränderungen zurücklasse. So ist das Segeln, das Wasser, die Natur bestes Heilmittel. Das neue, den Anker in Flensburg zu werfen, mit Wohnung, Freunden und schönen Aktivitäten ist erst langsam zu erspüren. So geniesse ich die Fahrt in kleinen Häppchen gen Westen. Kopf frei kriegen für das neue, das gute und schöne erlebte in Berlin und Angermünde bewahren und Pflegen und die Idioten verjagen.

https://youtu.be/669UTGFd4MY Klappbrücke in Wieck / Greifswald

https://youtu.be/NPvoaKKl9Gs  Durchfahrt Südspitze Hiddensee

 

 

 

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